Montag, 23. September 2019

Europameisterschft in Bologna

Für Mathias Putzmann war die letzte Woche im italienischen Bologna sicher der Höhepunkt und mit drei EM-Medaillen sicher auch der erfolgreichste Moment in seiner bisherigen Karriere.

Mit Klasse-Leistungen und auch dem notwendigen Glück hatte er sich bei den Ausscheidungswettkämpfen einem hauchdünnen Vorsprung von einem Ring als Dritter für das deutschen EM-Team qualifiziert. An seiner Seite standen mit Christian Reitz und Oliver Geis zwei Schützen, die zur absoluten Weltspitze in den 25 m-Pistolendisziplinen zählen. 

Das Team war gleich in drei Disziplinen am Start: der olympischen Disziplin Schnellfeuerpistole (2 Halbserien mit je zwei 5-er-Serien in 8, 6 und 4 Sekunden) und den beiden nichtolympischen Disziplinen Standardpistole (je vier 5-er Serien in 150, 20 und 10 Sekunden auf Präzisionsscheibe mit der Pistole Kaliber 0.22 lfB) und Zentralfeuerpistole (6 x 5 Schuss in 150 Sekunden auf Präzisionsscheibe [3 Sekunden pro Schuss] und 6 x 5 Schuss auf Schnellfeuerscheibe mit Pistole Kaliber 0.32).

Im ersten Wettbewerb, der Standardpistole erwischte das deutsche Team einen guten Einstand. Christian gewann Bronze und Mathias konnte mit guten 562 Ringen (Platz 13) entscheidend mit dazu beitragen, dass das Team am Ende auf Platz drei einkam.

In der Hauptdisziplin Schnellfeuerpistole begann Mathias mit einer 95 in der „langsamen“ 8-Sekunden-Serie alles andere als optimal, was den ohnehin schon vorhandenen mentalen Druck sicher weiter erhöht hat. Zwar gelang es ihm mit einer 98 in der folgenden 6-Sekunden-Serie wieder etwas in die Spur zu kommen, aber der Versuch, die erste Halbserie mit einer perfekten 4-Sekunden-Serie noch zu retten, ging leider daneben. Mit drei Achten und einer Sieben kam Mathias gerade auf 90 Ringe. Da seine beiden Mannschaftkameraden einen deutlich besseren Auftakt hatten, lag das Team zur Halbserie trotzdem knapp auf dem ersten Platz. Das war jedoch auch der Tatsache geschuldet, dass sich ein Schütze des als Mitfavoriten auf den Titel gehandelten französischen Teams einen Fehler auf der dritten (!) Scheibe seiner ersten 4-Sekunden-Serie geleistet hatte. Mathias konnte sicher mitfühlen, denn das Gleiche war ihm wenige Wochen zuvor bei der DM passiert.

Die zweite Halbserie begann für Mathias mit einer 97 in der 8-Sekundeserie zwar etwas besser, doch eine Unachtsamkeit in der zweiten 6-Sekunden-Serie, die gleich mit einer Acht bestraft wurde sorgte dafür, dass das Ergebnis vor der abschließenden 4-Sekunden-Serie nicht besser war als im ersten Durchgang. Wie dort hatte Mathias seinen Ablauf in der abschließenden 4-Sekunden-Serie nicht bis zum Ende voll unter Kontrolle und ließ mit den letzten fünf Schuss sieben Ringe liegen. Am Ende sprangen „nur“ 567 Ringe und Platz 26 im 46-köpfigen Starterfeld für ihn heraus. Noch schlimmer erging es Oliver, der mit einer Sechs in der letzten Serie einen Ring am Finaleinzug „vorbeigeschossen“ hat. Christian ist mit 587 Ringen als zweiter ins Finale eingezogen und hat dieses auf eben diesem Platz verlassen. Da aber auch Schützen anderer Teams Fehler unterlaufen sind, hat es für die Deutsche Auswahl am Ende trotzdem knapp für die Silbermedaille gereicht, 10 Ringe hinter den siegreichen Franzosen mit ihrem „Fehler“-Schützen.

Am letzten Wettkampftag bekamen unsere Jungs ihre dritte Chance doch noch den ersehnten Titel zu holen. Immerhin war Christian hier, wie schon in der Disziplin Schnellfeuerpistole, der aktuelle Weltrekordhalter. Christian blieb an diesem Tag zwölf Ringe unter seiner Bestmarke. Das es in der Endabrechnung immer noch für Platz drei gereicht hat, spricht für die Qualität seines „Jahrhundert-Weltrekordes“ von 593 Ringen. Mathias zeigte großen Kampfgeist und überzeugte vor allem beim Schnellfeuer, wo er das viertbeste Ergebnis aller Starter erzielte. Am Ende belegte er mit 578 Ringen den elften Platz. Die Mannschaft wurde Vize-Europameister, nur einen Ring hinter dem Team der Ukraine.

Wir gratulieren Mathias und der gesamten Mannschaft sowie ihrem Trainer Detlef Glenz zu dem erfolgreichen Abschneiden in Bologna.

von Uwe Steffen